Allgemein:

Startseite

Impressum

Datenschutz

Disclaimer

Sitemap

FÖJ

Praktika

Wildkatzen-Botschafter*innen des BUND

Letzte Änderung am Mittwoch, 22. August 2018 um 14:41:44 Uhr.

Ergebnisse der Projekte

Ergebnisse des Projektes „Rettungsnetz für die Wildkatze“

Nach viereinhalb Jahren auf der Spur der Wildkatze stellt der BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis seine Ergebnisse vor. Insgesamt führte das Wildkatzenbüro des Umweltzentrums Franzigmark bei Halle bisher drei Wildkatzenprojekte durch. Ziel dieser Projekte waren zum einen die Erfassung der Verbreitung der Wildkatze mit Hilfe der Lockstockmethode im Harz, Harzvorland sowie im südlichen Sachsen-Anhalt, zum anderen aber auch Öffentlichkeitsarbeit und konkrete Schutzmaßnahmen für die Wildkatze.

Die Lockstockmethode ist eine effektive Methode zum Nachweis von Wildkatzen, welche die Tatsache nutzt, dass sich Katzen während ihrer Paarungszeit von Baldriangeruch anlocken lassen und beim Reiben an den Lockstöcken Haare lassen. Eine genetische Analyse dieser Haarproben erlaubt nicht nur die Unterscheidung zwischen Haus- und Wildkatze, sondern auch, einzelne Tiere wieder zu erkennen.

Die Kontrolle der Lockstöcke übernahmen ehrenamtliche Helfer, die vom BUND Halle-Saalekreis geschult worden waren. Im Nationalpark Harz übernahmen Ranger der Nationalparkverwaltung die Lockstockbeprobung.

Die Finanzierung der genetischen Analysen der Haarproben am Forschungsinstitut Senckenberg, war möglich im Rahmen des BUND-Projekts „Rettungsnetz Wildkatze“ durch BUND-Eigenmittel sowie Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz, die EU, das Land Sachsen-Anhalt und LOTTO Sachsen-Anhalt.

Im Kernverbreitungsgebiet Harz (Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) wurden im Zeitraum von 2012-2014 mit Hilfe der Lockstockmethode an 50 Lockstöcken insgesamt 60 verschiedene Wildkatzenindividuen nachgewiesen. Im nördlichen Harzvorland konnten im gleichen Zeitraum 10 Individuen im Großen Fallstein und 3 in den Harslebener Bergen bestätigt werden. Während in den vorgenannten Gebieten jeweils etwa zu gleichen Teilen männliche und weibliche Tiere nachgewiesen wurden, handelte es sich im Ziegelrodaer Forst (Saalekreis bei Querfurt) um 9 ausschließlich männliche Wildkatzen. Für die Jungenaufzucht ziehen sich Wildkatzen in den Wald zurück, sie benötigen dazu strukturreiche Wälder mit viel Alt- und Totholz, auch in Holzpoltern kommen im Mai häufig junge Wildkatzen zur Welt. Die Revierförsterin des Ziegelrodaer Forstes, Adrina Hecht, berücksichtigt bei der Abfuhr der Holzpolter die Aufzuchtzeit der Wildkatzen.

Jüngst feierte der BUND gemeinsam mit Rainer Patzer, einem Ehrenamtlichen aus Zeitz den gemeinsam erfolgten Nachweis von zwei Wildkatzenindividuen im Zeitzer Forst – seit 130 Jahren die ersten sicheren Nachweise aus diesem Waldgebiet.

Auch der Nachweis der Wiederbesiedlung weiterer inselartiger Waldgebiete konnte durch den BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis erbracht werden. So gelang die Erfassung von je 9 Individuen im Othaler Holz bei Sangerhausen und im Borntal bei Allstedt, von 3 Individuen in der Helmeniederung, je 4 Individuen im Forst Bibra und im Gutschbachtal, sowie 3 Wildkatzen in Waldgebieten bei Eckartsberga.

Das Projekt „Wildkatzensprung – Wiedervernetzung der Wälder Deutschlands“ fand in enger Kooperation mit dem BUND-Bundesverband und weiteren 9 Landesverbänden statt, in denen die Wildkatze vorkommt. Ziel des bundesweiten Projekts Projektes war u.a. eine genetische „Inventur“ der Wildkatzenvorkommen in Deutschland. Dazu wurde eine Gendatenbank für die Wildkatze aufgebaut.

Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt: „Bisher besteht trotz der fortschreitenden Infrastrukturmaßnahmen sowie der Intensivierung der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt noch keine konkrete Gefahr der genetischen Verarmung des Wildkatzenbestandes. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass der Bau von Autobahnen und mehrspurigen Straßen nicht nur eine direkte Gefahr, sondern auch eine Verinselung der Wildkatzenvorkommen Sachsen-Anhalts zur Folge hat, weshalb bei derartigen Baumaßnahmen – nicht nur für die Wildkatze – Wildbrücken eingeplant werden müssen. Zusätzlich müssen Wanderwege für die Wildkatze geschaffen werden, welche in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft nicht mehr selbstverständlich vorhanden sind: Früher konnten Wildtiere entlang von Hecken, Feldwegen, über Brachen und Ackerrandstreifen wandern, heute werden solche Flächen gerade aufgrund der fruchtbaren Böden in Sachsen-Anhalt wegrationalisiert. Doch die Wildkatze zählt zu den 19 Verantwortungsarten des Landes Sachsen-Anhalt, über welche das Land auch der EU Rechenschaft schuldig ist.“

Der BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis hat eine regionale Wildkatzenwander-ausstellung erstellt, welche u.a. schon in der Arche Nebra und im Spenglermuseum Sangerhausen zu sehen war. Bei Interesse kann die Ausstellung von weiteren Einrichtungen ausgeliehen werden. Sie beinhaltet Informationen über die Wildkatze und weitere Verantwortungsarten des Landes Sachsen-Anhalt.

Wildkatzensprung - Ergebnisse

Zwischenergebnisse - Stand 10/2013
127 unserer 193 Proben aus dem Jahr 2012 haben bereits den ersten Analyseschritt, die Mitochondrien-DNA-Analyse, durchlaufen.
Im zweiten Analyseschritt (Kern-DNA-Analyse oder Mikrosatellitenanalyse) kann eine Individualisierung der Wildkatzen durchgeführt werden. D.h. es kann nachgewiesen werden, welche und wie viele Individuen an den einzelnen Lockstöcken waren.
Von den 101 Proben mit dem Analyseergebnis „Wildkatze“ waren 86 bis auf Individuenebene weiter analysierbar. [Bei >5 Haaren mit Wurzel reicht laut Senckenberg-Institut meist die Anzahl an DNA-Molekülen aus, um einen genetischen Fingerabdruck zu erstellen, d.h. 14 Mikrosatelliten-Genorte zu untersuchen]

Zwischenergebnis: Die bisher 86 für die zweite Analyse geeigneten Wildkatzenhaarproben stammen von 31 verschiedenen Individuen. Diese setzen sich aus 12 Katzen und 19 Kudern zusammen.

Hohe Schrecke-Exkursion

Freiwilligentreffen des Projektes Wildkatzensprung

Der BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis beteiligt sich an dem vom BMU geförderten Projekt „Wildkatzensprung“ mit einem dreijährigen Lockstock-Monitoring im Harz. Untersuchungen zur genetischen Zusammensetzung der Wildkatzenpopulation des Harzes in den Jahren 2012 bis 2014 legen den Grundstein für die genetische Analyse von Wildkatzenvorkommen in kleineren, dem Harz vorgelagerten Waldinseln.

Die rund 50 im Harz aufgestellten Lockstöcke werden regelmäßig durch ein Team von Freiwilligen kontrolliert, welches sich aus Mitarbeitern des Nationalparks Harz sowie BUND-Mitgliedern und weiteren Ehrenamtlichen aus den Regionen Harz und Halle-Saalekreis zusammensetzt. Nachdem jeder Lockstockkontrolleur in seinem Zuständigkeitsbereich weitgehend eigenständig arbeitet, trafen sich die Freiwilligen im Oktober in der Hohen Schrecke zu einem Erfahrungsaustausch.

Weite Teile Sachsen-Anhalts sind durch großflächige strukturarme Äcker gekennzeichnet, welche nicht nur für die Wildkatze Wanderungsbarrieren darstellen. Von Halle aus betrachtet sind daher wohl nicht zufällig die nächsten Wildkatzenvorkommen erst nahe der thüringischen Grenze im Ziegelrodaer Forst zu verzeichnen. Es war ein Erlebnis, den Waldrücken des Ziegelrodaer Forstes von Südwesten aus zu betrachten und zu sehen, dass es nur ein Katzensprung über die Unstrut ist in die naturnahen Wälder der Hohen Schrecke. Unter der fachkundigen und zugleich lebendigen Führung von Herrn Dr. Conrady, Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes Hohe Schrecke, war es uns möglich, ein Waldgebiet zu entdecken, das der Wildkatze aufgrund seines Reichtums an Kleinstrukturen ähnlich gute Lebensbedingungen bietet, wie sie im Harz zu finden sind.

Wird die landesübergreifende Vernetzung von Naturschützern die Vernetzung von Wäldern nach sich ziehen?

Uta Lieneweg, RV Halle-Saalekreis

mehr zum Projekt...


zurück zur Startseite